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P. Johannes Mülleder
Neue
Biomasse-Heizung
Alte Heizung
Vor 30
Jahren, im Jahr 1979, ist eine Heizung für die Gärtnerei in Betrieb
gegangen, die mit schwerem Heizöl betrieben wurde, in der Nähe der
Gärtnerei lag und deren „Wahrzeichen“ ein etwa 25 m hoher Schlot war.
Zwei neue
Ölkessel mit einer Leistung von je 4 Megawatt und der alte Bertschkessel
mit einer Nennleistung von 2,3 MW hätten eine Glashausfläche von 4 ha,
wie damals geplant, mit Wärmeenergie versorgen können. Dieses Konzept
wurde dann nicht mehr verfolgt, sodass die Heizung überdimensioniert
war, in den letzten Jahren aber notwendig gebraucht wurde, weil auf
Grund von Störungen durch Materialermüdung immer wieder zwischen den
beiden großen Kesseln umgeschaltet werden musste.
Der
maximale Jahresverbrauch lag bei 1200 Tonnen Heizöl. Somit wurden fast
4000 Tonnen Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen und zusätzlich etwa
90 Tonnen Schwefeldioxid pro Jahr in die Luft geblasen. Die immer
bessere Qualität des Öles, der Abbruch eines Konventtraktes, der Einbau
von Schattierungen in die Glashäuser, die in der Nacht das Entweichen
der Wärme hemmten, und auch die Stilllegung und der Abbruch alter
Glashäuser senkten in den letzten Jahren den Ölverbrauch auf etwa 850
Tonnen pro Jahr. Dennoch empfand sich das Stift Wilhering in den letzten
Jahren immer mehr als Umweltsünder, und wir wurden auch mit
entsprechenden Vorwürfen konfrontiert.
Die Konzeption der neuen
Heizung
Die
Entscheidung für eine neue Heizung hing von vielen Fragen ab: Sollte es
wirklich eine Biomasseheizung sein? Welche Dimension sollte sie haben?
Wird die Gärtnerei in dieser Form weitergeführt? Soll die Heizung von
uns selbst errichtet und betrieben werden?
Nach
einigen Gesprächen mit unseren Mitarbeitern entschlossen wir uns für
eine Dimension, die eine möglicherweise etwas verkleinerte Gärtnerei,
die Schule und das Kloster versorgen kann. Für die Spitzenabdeckung und
als Ausfallsreserve sollte ein Gaskessel installiert werden, im
Wesentlichen sollte aber ein Biomassekessel mit einer Nennleistung von
1200 Kilowatt, der bei gutem Heizmaterial auch über 1500 Kilowatt
leisten kann, den Energiebedarf abdecken. Eine zeitgemäße Regeltechnik,
die zugleich die Verbrauchskurve aufzeigt, sollte helfen,
Einsparungspotential sichtbar zu machen, und es sollte ein wichtiges
Ziel sein, den Energieverbrauch so weit wie möglich zu senken. Ins Auge
gefasst werden sollte aber auch eine Erweiterung der Heizanlage durch
einen zweiten Biomassekessel, wenn es eventuell sinnvoll würde, Teile
des Ortes Wilhering mit Nahwärme zu beliefern.
Wir
entschlossen uns auch, diese Heizung selbst zu bauen und die Versorgung
mit Heizmaterial selbst sicherzustellen. Der Großteil der Biomasse
sollte von den eigenen Wäldern kommen und nur ein kleiner Teil zugekauft
werden. Die Anlage sollte in der Nähe des Klostergebäudes, nördlich des
Meierhofes, errichtet werden. Alte, baufällige Gebäude sollten
abgerissen und anschließend an das Heizwerk auch noch eine moderne
landwirtschaftliche Maschinenhalle errichtet werden. Die Anlage ist
relativ hochwassersicher (3 Meter über der Grenze des hundertjährigen
Hochwassers) und relativ abgeschlossen, ganz in der Nähe der bisherigen
Heizleitung, sodass Gärtnerei und Schule problemlos beliefert werden
können.
Die Errichtung der
Heizungsanlage
Die
Gesamtplanung wurde dem Planungsbüro Berger aus Wien übergeben, das
diesbezüglich schon entsprechende Referenzen hat. Nicht unerwähnt
bleiben soll, dass sich die Eferdinger Firma Maier und Stelzer sehr
engagiert hat, uns von einer Biomasseheizung zu überzeugen. Sie hat das
neue Heizwerk in Eferding bei der Leumühle präsentiert und hat
schließlich von Berger auch den Auftrag für eine Bedarfserhebung
bekommen. Mit der Entscheidung für die Errichtung des Heizwerkes war
auch schon der Termin für die Inbetriebnahme gegeben: Beginn der
Heizperiode im Herbst 2009.
Die Hoch-
und Tiefbauplanung wurde der Firma Jung in Linz übergeben und Architekt
Brunbauer entwarf ein Gebäude mit 80 m Länge, 22 m Breite und fast 9 m
Höhe, das aber so in die Landschaft eingepasst wurde, dass die volle
Höhe nur in der Nordansicht wahrnehmbar ist, darüber aber noch die
Dachtraufe des Meierhofes sichtbar bleibt. Durch eine Holzverkleidung
wird dem Gebäude das Aufdringliche genommen, und es zeigt sich als
landwirtschaftliche Halle.
Den
Zuschlag für Hoch- und Tiefbau erhielt die Firma Alpine, und am Montag
vor Christi Himmelfahrt, dem 18. Mai 2009, begann der Abbruch der alten
Gebäude. Zunächst musste die Baustelle vorbereitet und eine
Zufahrtsstraße errichtet werden. Die äußerst feuchte Witterung im Juni
machte der Firma Held und Francke einigermaßen zu schaffen, sodass sich
der eigentliche Baubeginn verzögerte. Am mühsamsten war ohnehin der
Bereich der zukünftigen Heizzentrale, die besonders guten Stahlbeton
benötigte, um den gewaltigen Kräften der Hydraulik standzuhalten. Mitte
August wurde aber schon der Biomassekessel der Firma Kohlbach mit einem
250-Tonnen-Kran in die halbfertige Halle gehoben, ebenso der
Elektrofilter und der Gaskessel sowie die beiden Pufferspeicher, von
denen jeder 36 Kubikmeter Wasser fasst. Dann erst wurde die Decke
errichtet, zum Teil als Ortbetondecke, zum Teil mit Hohldielenelementen,
die überdies so angebracht werden mussten, dass eventuell in einigen
Jahren ein zweiter Biomassekessel hineingehoben werden könnte. In die
dafür vorgesehene Öffnung in der Ortbetondecke wurde schließlich der
Kamin gehoben und angeschlossen.
Währenddessen wurden auch das Biomasselager und die Maschinenhalle
errichtet, die Firma Glatzhofer hatte die Zimmererarbeiten inklusive
Verschalung des Gebäudes übernommen, die Firma Heger die
Dachdeckerarbeiten, und während noch Alpine am Werk war, mussten
innerhalb von zwei Monaten sämtliche Installationsarbeiten und
Elektrikerarbeiten erledigt werden. Die Firmen Maier und Stelzer sowie
die Elektrofirma Hainzl waren hier gefordert. Es hatte sich schon früh
abgezeichnet, dass eine Inbetriebnahme Anfang Oktober illusorisch war,
und dank des warmen Oktobers, der Flexibilität der Firma Maier und
Stelzer und der noch funktionierenden Ölheizung konnte die Gärtnerei mit
Energie versorgt werden.
Erstes
Feuer im Biomassekessel gab es schließlich am Abend des 3. November
2009, erste Wärme am Abend des 4. November, an dem auch Schule und
Konvent von der Ölheizung entkoppelt wurden. Am 6. November schließlich
wurde die Ölheizung vorläufig abgeschaltet, aber noch betriebsfähig
gehalten, auch wenn nur mehr wenige Tonnen Öl vorhanden waren. Ab jetzt
wurde auch die Gärtnerei von der Biomasseheizung versorgt.
Erste
Erfahrungen mit der neuen Heizung
Es zeigte
sich, dass der Biomassekessel im November und Dezember im Wesentlichen
alles mit Wärme versorgen konnte und sich der Gaskessel nur selten
dazuschaltete. Erst Mitte Dezember wurde die Heizung bei einer
Kältewelle (minus 15 Grad) einem Härtetest unterzogen, und in dieser
Phase musste der Gaskessel einiges leisten.
Es zeigte
sich weiter, dass der Biomassekessel leistungsmäßig sehr schwankt, dass
er bei Hartholz (Buche, Esche …) 1,7 Megawatt Leistung schafft, bei
feuchter Fichte oder Pappel dagegen nur 1,1 bis 1,2 Megawatt. Seit
Jänner 2010 ist auch die Hackguttrocknungsanlage in Betrieb, um die
Leistung zu verbessern. Überraschend für uns war auch, dass die beim
Elektrofilter anfallende Asche die Menge der Rostasche noch übertrifft
und dass für die Entsorgung der Asche eine eigene Vorrichtung notwendig
wurde, die von der Firma Hierzer entwickelt wurde. Jetzt können die
Aschecontainer an die Hydraulik des Traktors gekuppelt werden.
Im Lauf
des Novembers wurde auch deutlich, welche Mengen an Hackgut der
Biomassekessel pro Tag benötigt. Alle drei bis vier Tage muss der
Silobereich neu gefüllt werden, wofür eine entsprechende Schaufel mit
der Hydraulikanlage des landwirtschaftlichen Traktors wertvolle Dienste
leistet.
Grundlegendes zur Biomasse
Zum
Unterschied von Erdöl und Erdgas ist Holz ein heimischer Brennstoff, der
noch dazu in unmittelbarer Umgebung zum Stift Wilhering wächst. Allein
durch die Pflege der Auwälder und das Zurückschneiden der Wälder am Rand
der landwirtschaftlichen Gründe kann der Bedarf von zwei Jahren gedeckt
werden. Dazu kommt das Abfallholz im Forst sowie Abfallholz, das in
näherer Umgebung anfällt, sowie Energieholz, das in unmittelbarer Nähe
von Bauern angeboten wird.
Der
Jahresbedarf von etwa 7.000 Schüttraummeter Hackgut sowie die
Betreuung der Heizung sichern auch mehrere Arbeitsplätze. Die Ernte des
Energieholzes allein beschäftigt zwei Mann ein Vierteljahr, der
Großhacker und drei Transporter sind zwei Wochen im Einsatz, und in der
Heizsaison (etwa September bis Mai) sind etwa 12 Wochenstunden bei der
Heizung (Einlagerung von Hackgut, Beschickung mit Hackgut,
Ascheentsorgung, Reinigung und Service) notwendig. All das kommt der
heimischen Wirtschaft zu Gute, nicht gerechnet die Verbesserung der CO2-Bilanz
für Österreich und die Investitionen für die eingesetzten Maschinen.
Biomasse
ist nachwachsender Brennstoff. Bei der Verbrennung von
Energieholz und Ähnlichem (Stroh, Biogas, Ernteabfall …) wird genau jene
Menge an CO2 freigesetzt, die beim Wachstumsprozess in einem
überschaubaren Zeitraum gebunden wurde. Bei der Zersetzung und
Mineralisierung der Biomasse oder auf dem Feld würde exakt die gleiche
Menge freigesetzt werden. Die thermische Nutzung von Biomasse ist also
Teil eines großen natürlichen Kreislaufes.
Im Unterschied dazu
wird bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe (Kohle, Erdöl,
Erdgas) Kohlendioxid freigesetzt, das im Laufe von hunderten Millionen
Jahren gebunden worden ist. Die bereits jahrhundertelange weltweite
Verschwendung fossiler Brennstoffe führt in diesen Jahrzehnten dazu,
dass das gegenwärtige globale natürliche Gleichgewicht kippt. Die
Menschheit führt jährlich der Atmosphäre Milliarden Tonnen von CO2
durch Verbrennen von Kohle, Erdöl und Erdgas zu, überdies werden riesige
Flächen von Regenwäldern abgeholzt, die ebenfalls CO2
gespeichert haben und nun fehlen. Ein Großteil des freigesetzten CO2
wird zunächst im Wasser gebunden, wodurch allerdings in den Meeren eine
langsame Übersäuerung einsetzt, die schließlich empfindliche Pflanzen-
und Tierarten gefährdet. Bekanntlich sind größere Gebiete des Meeres
schon tot, die Kohlensäure hat sich hier schon ausgewirkt.
Wir vom
Stift Wilhering möchten mit dem Neubau der Heizung und mit den noch
geplanten Neuerungen zumindest einen kleinen Beitrag zu einer
(vielleicht nicht mehr möglichen) Stabilisierung des Klimas leisten.
Die
Biomasseheizung in Zahlen
Kohlbachkessel mit einer durchschnittlichen Leistung von 1.500 kW.
Tagesverbrauch bei Volllast: 60 Schüttraummeter (entspricht ca.
25 Festmeter Holz).
Bedarfsabdeckung: ca. 85 %, die restlichen 15 % kommen aus dem mit
Erdgas betriebenen Kessel, der derzeit 1.700 kW leistet.
Hochgerechneter Jahresverbrauch an Biomasse: 7.000
Schüttraummeter.
Geschätzter Jahresverbrauch an Erdgas: 80.000 Kubikmeter, das entspricht
800 MWh.
Der
erwartete Gesamtenergieverbrauch pro Jahr liegt bei knapp 6.000 MWh,
wofür etwa 600 Tonnen Heizöl notwendig wären. Wenn diese Rechnung
aufgeht, sparen wir durch den besseren Wirkungsgrad und verschiedene
Maßnahmen fast ein Drittel der Energie ein.
Gesamteinsparung an CO2 aus fossilen Brennstoffen im
Vergleich zu den letzten drei Jahren: 2.500 Tonnen pro Jahr.
Um den
Bedarf an Biomasse zu decken, müssen pro Jahr etwa 3.000 Festmeter
Holz geschlägert werden. Bei oberflächlicher Schätzung ist für die
Bringung und Verarbeitung, den Transport und die Beschickung der Heizung
sowie für die Betreuung der Heizung mindestens eine Jahresarbeitszeit
erforderlich. Auf Dauer wird also mindestens ein Arbeitsplatz in
unmittelbarer Umgebung gesichert. Dazu kommen die geringen
Transportkosten und die dadurch viel bessere Energiebilanz, die bessere
Waldpflege, die Verbesserung der CO2-Bilanz und auch die
Auslandsbilanz durch geringeren Zukauf von fossilen Brennstoffen aus dem
Ausland.
Weitere
Überlegungen zur Verringerung des Energieverbrauchs
Das Stift
Wilhering wird weiterhin über eine Verringerung des Energieverbrauchs
nachdenken müssen. Mit einer im Vergleich zu den früheren Ölkesseln sehr
kleinen Gesamtkapazität haben wir uns selbst schon verpflichtet: Der
Energieverbrauch muss schrittweise reduziert werden.
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Durch Optimierungen in der Gärtnerei: Welche Glashäuser müssen auf
welche Temperatur geheizt werden? Kann die Temperatur zur
Frostfreihaltung noch gesenkt werden? Können die Thermostate besser
angeordnet werden? Kann das Steuerungs- und Regelungssystem noch
verbessert werden? Kann durch kleine Ventilatoren innerhalb der
Innenisolation (Schattierung in der Nacht) die Wärme noch besser zu
den Blumen geführt werden, sodass eine niedrigere Temperatur genügt?
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Wo
wird in der Schule und im Kloster Energie sinnlos vergeudet?
(Aufheizen von Räumen, die nicht bewohnt sind, gekippte Fenster,
tropfende Wasserhähne, schlecht isolierte Warmwasserleitungen,
falsch eingestellte Pumpen und Heizkörper …)
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Kann
der Dachboden besser isoliert werden? Können besser isolierende
Fenster eingebaut werden? Kann ein Vollwärmeschutz angebracht
werden? (Immer natürlich mit Erlaubnis des Denkmalschutzes.)
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Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der
Schülerinnen und Schüler: Alle sollten einen Blick dafür bekommen,
wo noch Energie vergeudet wird, wo man also ohne wesentliche
Verringerung des Komforts Energie einsparen kann.
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