ZisterzienserStift

                          Wilhering
 


LH Dr. Josef Pühringer

Festrede bei der Feier zum 100. Geburtstag von Fritz Fröhlich

am 13. Mai 2010 im Stift Wilhering, Fritz-Fröhlich-Saal

Es gibt wohl keinen anderen Rahmen als den eines Klosters, kein anderes Datum als das des 100. Geburtstages, keinen anderen Ort als diesen Festsaal mit dem Fresko Fröhlichs, an denen man überzeugter sagen könnte, dass Fritz Fröhlich auf uns herabblickt und dieses durchaus in doppeltem Sinne, zumal er sich ja auch als Maler im über uns befindlichen Deckengemälde verewigt hat.
Fritz Fröhlich hat hier auch einen guten Platz gefunden, im Festsaal des Stiftes Wilhering, das ihm in den 1970er Jahren bei der Restaurierung der Stiftskirche nicht nur Auftrag, sondern auch Herzensanliegen war, das ihm durch das Wohnatelier im ehemaligen Bräuhaus Lebensort wurde und das durch die 1983 begründete Fritz-Fröhlich-Sammlung nunmehr auch der maßgebliche Ort für die posthume Wirkungsgeschichte ist.
Ich danke gleich vorab dem Stift Wilhering für die Entscheidung, im Stiftshof neue Räumlichkeiten für die Sammlung zu adaptieren. Dadurch wird es ab diesem Sommer möglich sein, die Arbeiten in einem musealen und konservatorisch entsprechenden Ambiente zu zeigen und gleichzeitig mehr Menschen zugänglich zu machen.
Das Land Oberösterreich war gerne bereit, dieses Projekt als ein kulturpolitisch bedeutsames in das Förderungsprogramm aufzunehmen und somit auch einen Beitrag für die künftige Begegnung und Auseinandersetzung mit Fritz Fröhlich zu garantieren.
Der Künstler hat in Wilhering allerdings auch deshalb einen so guten Platz gefunden, weil es so nahe mit seiner weiteren jahrzehntelangen Wirkungsstätte in Ottensheim verbunden ist. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, wie Fröhlich in diesem eng umrissenen geografischen Gebiet von Ottensheim, Wilhering und natürlich auch Linz über Jahrzehnte künstlerisch tätig war und von hier aus seine Kunstwelt erobern konnte.
Fröhlich hat schließlich auch einen dritten guten Platz gefunden, in der Kunstgeschichte Oberösterreichs. Sein künstlerisches Vermögen und die Gnade des hohen Alters haben ihn zu einer für die oberösterreichische Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts besonders repräsentativen Künstlerpersönlichkeit gemacht.
Auch ist mir kein anderer Künstler bekannt, der so wie Fröhlich alle wichtigen Auszeichnungen der Republik und des Landes Oberösterreich erhalten hat: Nach der Verleihung des Professorentitels durch den Bundespräsidenten 1958 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1978, das Goldene Ehrenzeichen des Landes OÖ 1984, den Großen Preis des Landes OÖ als „Alfred-Kubin-Preis“ 1989 sowie die Kulturmedaille des Landes OÖ 1995. Diese Auszeichnung konnte ich ihm dabei genau an diesem Ort verleihen.
Fröhlichs Werk fasst in seiner Entwicklung, seinen Kontexten, seiner Wahrnehmung, seinen Anfeindungen und Wertschätzungen vieles von den großen, jedoch auch dunklen Phasen des 20. Jahrhunderts zusammen. Gleiches gilt für die Biografie des Künstlers.
Ich erinnere mich dabei gerne an die persönlichen Begegnungen mit Fritz Fröhlich, zuletzt bei seinem 90. Geburtstag 2000 in Eidenberg. Bemerkenswert war sein bestechender Geist, den er sich bis zuletzt erhalten konnte und sein resümierender Humor, der in so vielen Lebenserfahrungen gereift war.
Fritz Fröhlich hat Oberösterreich mitgestaltet. Sein Deckenfresko in der Stiftskirche von Engelszell aus den 1950er Jahren ist Ausdruck des künstlerischen Aufbruchs nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs.
Seine Gestaltung der Linzer Synagoge in den 1960er Jahren war mehr als ein künstlerischer Auftrag. Seine Malerei zu den zwölf Stämmen Israels erfolgte 20 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers von Mauthausen, in Sichtweite zum Fadinger-Gymnasium, wo Hitler Schüler gewesen war. Das waren Orte, Kontexte und Zeitpunkte, die nicht spurlos vorübergehen konnten. Hier musste sich auch Fritz Fröhlich schmerzhaftesten und tiefsten Einsichten in die Abgründe des 20. Jahrhunderts stellen.
Fröhlich hat Oberösterreich auch als langjähriger Präsident des Oö. Kunstvereins geprägt. Hier gilt es vor allem auch den Einsatz für Kolleginnen und Kollegen sowie die Bereitschaft für Ehrenamtlichkeit zu betonen.
Als Fritz Fröhlich schließlich am 19. November 2001 verstarb, war vielen bewusst, dass damit auch ein Stück Kunstgeschichte von Oberösterreich zu Ende gegangen war.
Ich werte die heutige Feier auch als Ausdruck für die Überzeugung, dass es wichtig und notwendig ist, die Erinnerung und die Auseinandersetzung mit dem Werk Fröhlichs lebendig zu halten. Wir können vieles von seinem Werk lernen, wichtiges Wissen aus der Auseinandersetzung mit seiner Biografie und seinem Künstlerdasein schöpfen.
Ich danke an dieser Stelle allen Persönlichkeiten für ihre Bereitschaft, sich für das Werk und für die Erinnerung zu engagieren. Der Dank gilt dem Zisterzienserstift Wilhering und seinem Abt Gottfried Hemmelmayr sowie dem neu bestellten Wirtschaftsdirektor Pater Johannes Mülleder für die Betreuung der umfangreichen Bau- und Adaptierungsmaßnahmen bei der neuen Fritz Fröhlich-Sammlung.
Danken möchte ich auch Altabt Pater Gabriel Weinberger, der maßgeblich für den Kontakt von Fritz Fröhlich zum Stift Wilhering, die Einrichtung des Wohnateliers und die Etablierung der ersten Fritz-Fröhlich-Sammlung in den 1980er Jahren verantwortlich war. Ihm möchte ich an dieser Stelle auch baldige Genesung wünschen.
Auch danke ich Pater Balduin Sulzer für die Konzeption des heutigen Musikprogramms. Ich bin mir dabei sicher, dass Musik zwischen Fritz Fröhlich und Pater Balduin immer wieder einen höchst spannenden Austausch mit sich brachte.
Für den Einsatz auf Gemeindeebene danke ich der Bürgermeisterin von Ottensheim, Ulrike Böker, sowie dem Bürgermeister von Wilhering, Mario Mühlböck.
Fröhlich schafft zwischen den beiden Gemeinden ein verbindendes Element, das von der Kulturreferentin und Vizebürgermeisterin von Wilhering, Renate Kapl, auch in der Initiierung eines donauübergreifenden Wanderweges bestens aufgegriffen wurde. Auch ihr möchte ich an dieser Stelle sehr herzlich für ihren Einsatz danken.
Meine Damen und Herren! Wenn ich eingangs meiner Überzeugung Ausdruck verliehen habe, dass Fritz Fröhlich heute an seinem 100. Geburtstag in dem von ihm gestalteten Festsaal zu uns herunterblickt, so muss der zeitliche und örtliche Aktionsradius noch etwas weiter gefasst sein; schließlich hat der Künstler 1954 auch die Sonnenuhren am Landhausturm gestaltet, und ich bin mir sicher, dass Fröhlich dabei schmunzelt, wenn er der oberösterreichischen Landespolitik mit der Kunst „eins draufsetzen“ konnte.